Samstag, 23. März 2013
Treffen des LAK Shalom Bayern
hiermit laden wir euch zum Treffen des LAK Shalom Bayern ein.
Das Treffen findet am Sonntag, den 31. März im Büro(http://goo.gl/maps/ChlTC) in Nürnberg statt und beginnt um 14 Uhr. Wenn ihr kommen wollt und euch gemeinsam mit uns gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus oder regressiven Antikapitalismus engagieren wollt schreibt bitte vorher eine kurze Mail an shalom.bayern@googlemail.com, damit wir wissen wie viele Leute kommen.
Mit solidarischen Grüßen,
LAK Shalom Bayern
Mittwoch, 2. Januar 2013
Der vergessene Kommunistenrabbi - zum 200. Geburtstag von Moses Hess
Unter dem Titel: "Der vergessene Kommunistenrabbi - zum 200. Geburtstag von Moses Hess" luden die Theoriezeitschrift EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft, Haskala Bayern (Plattform gegen Antisemitismus) und der LAK Shalom der Linksjugend ['solid] Bayern zu einem Vortrag mit Diskussion ins selbstverwaltete Jugendhaus Erlangen.
Etwa 40 Interessierte folgtem im gut gefüllten Raum dem halbstündigem Vortrag von Dr. Udo Winkel, einem Redakteur der Theoriezeitschrift EXIT! Die nachfolgende Diskussion wurde wegen akustischer Probleme nicht mit aufgenommen. Besonders erfreut waren wir über die Anwesenheit von Roswitha Scholz, der Witwe des unlängst verstorbenen Nürnberger marxistischen Philosophen und streitbaren Linken Robert Kurz. Roswitha Scholz wurde besonders bekannt durch das von ihr während ihrer Zugehörigkeit zur Gruppe Krisis veröffentlichte Theorem der Wert-Abspaltung
Um Moses Hess ist es still geworden, seine Werke sind vergriffen und bestenfalls noch antiquarisch zu erwerben. Das sah vor dreißig Jahren noch etwas anders aus. Im Zuge der Beschäftigung mit Marx und seinen theoretischen Voraussetzungen seit der Studenten- bewegung war der Linkshegelianismus und frühe Kommunismus und damit auch Moses Hess wiederentdeckt worden. Seine Schriften wurden neu aufgelegt, Arbeiten über ihn verfasst und er wurde in Kompendien gewürdigt. Dass er erneut in Vergessenheit geraten ist, sagt viel über die heutige Marxrezeption aus. Hess war nicht nur der erste deutsche Kommunist, der wesentlich dazu beitrug, dass Marx sich vom Linkshegelianismus loslöste, sondern auch der Vorläufer eines sozialistischen Zionismus.
Hess' wichtigste Werke sind:
- Sozialismus und Kommunismus (1842)
- Die Philosophie der Tat (1843)
- Über das Geldwesen (1845)
- Rom und Jerusalem (1862), eine Grundlegung des späteren Zionismus. Leipzig: Eduard Mengler
- Moses Hess Jüdische Schriften. Hrsg. und eingeleitet von Theodor Zlocisti. Leo Lamm, Berlin 1905
Einige Schriften sind digitalisiert einsehbar (siehe google books), andere antiquarisch zu erwerben, z.B. via ZVAB. Insbesondere Rezensionen aus den 60/70ger Jahren sind noch antiquarisch erhältlich.
Überzeugter Jude, Zionist und Mitkämpfer von Karl Marx für Sozialismus und Emanzipation der Arbeiter. Reihe: Seniorenklub im Karl-Liebknecht-Haus
Mit Referent: Prof. Dr. Heinrich Fink, Moderation: Moderation: Elfriede Juch
Rätekommunistische und anarchistische Kritik am Antisemitismus von links
Sowjetunion, sprach sie jedoch kaum öffentlich an. Das passierte erst 1937, während der Moskauer Schauprozesse, in seinem postum veröffentlichten Text “Thermidor und Antisemitismus”. In ihren
Reiseberichten aus Sowjetrußland zitierten die US-amerikanische Anarchistin Emma Goldman und ihr Lebensgefährte Alexander Berkman aus Gesprächen mit Jüdinnen und Juden über eine neue Form der
Judenfeindschaft. Diese Berichte waren nicht einstimmig: Manche waren den neuen Machthabern dankbar, andere sprachen hingegen von “stillen Pogromen”. Ein Jude erklärte Goldman und Berkman, der Bolschewismus
habe “die antisemitische Einstellung der Massen verstärkt”. Der Vortrag rekonstruiert die Motive, warum Berkman, Goldman, Alexandra Ramm-Pfemfert, Franz Pfemfert und Trotzki etwas kritisierten, was vielen anderen innerhalb der kommunistischen Linken nicht einmal auffiel.
-> Vortrag anhören
Dienstag, 30. Oktober 2012
Linke, Nahostkonflikt, Antisemitismus
Wegweiser durch eine Debatte. Eine kommentierte Bibliografie von Peter Ullrich, Reihe «Analysen»
Download: http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Analysen/Analyse_Linke-u-Nahostkonflikt.pdf
Mittwoch, 29. Februar 2012
Beate for Bellevue!
Es ist äußerst beunruhigend, dass Schwarz-Gelb-Grün-Rot mit Gauck einen Kandidaten aufstellen, der mit seiner Trivialisierung des Nationalsozialismus mit dafür sorgt, dass Geschichtsrevisionismus und Schuldabwehr in der deutschen Gesellschaft weiter salonfähig gemacht werden. Die Gleichsetzung von NS-Ideologie und Sowjetkommunismus – wie in der von Gauck unterstützten „Prager Erklärung“ – ist Grundlage dafür, die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands zu relativieren. So kann die Besonderheit des Vernichtungsantisemitismus, die Singularität von Auschwitz, jedoch nicht begriffen werden. Seine Unterstützung für das revanchistische Zentrum gegen Vertreibung in Berlin ist nicht hinnehmbar, weil damit die Gefahr besteht, den Vernichtungskrieg Deutschlands in Osteuropa als Ursache für die heutige Oder-Neiße-Grenze und die Umsiedlung der Deutschen zu vernachlässigen. Ein solches Geschichtsbild tragen wir nicht mit!
Beate Klarsfeld hingegen hat mit ihrem handfesten Engagement dafür gesorgt, dass das NS-Erbe Deutschlands nicht vergessen wird. Ihre historische Ohrfeige gegen Altkanzler Kurt Georg Kiesinger, der von 1933 bis 1945 Mitglied der NSDAP war, ist hierfür symbolisch. Als Nazijägerin sorgte sie dafür, dass untergetauchte NS-Persönlichkeiten nicht straflos davonkamen. Gerade in Zeiten des Rechtsterrorismus, des anwachsenden Rassismus und der immer wieder in Teilen der deutschen Bevölkerung aufkommenden Forderungen nach einem Schlussstrich unter den deutschen Verbrechen ist Klarsfeld eine hervorragende Alternative zu Gauck. Auch die bisherige Ablehnung von Rot-Grün und Schwarz-Gelb, Beate Klarsfeld auf Vorschlag der LINKEN das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, lässt den nötigen Respekt für ihre Lebensleistung vermissen.
Ihre konsequente Solidarität mit Israel hat für uns Vorbildcharakter. Sie ist Ausdruck des Bewusstseins für den grauenhaften Vernichtungsantisemitismus des nationalsozialistischen Deutschlands und wie zu verhindern ist, dass sich ähnliches ereigne. Israel ist die zum Staat gewordene Konsequenz aus Auschwitz.
Beate Klarsfeld hat unsere volle Unterstützung. Wir wünschen ihr viel Erfolg in der Bundesversammlung und rufen alle Wahlfrauen und -männer von Piraten, SPD und Grünen – insbesondere Mitglieder der Jusos und Grünen Jugend – dazu auf, sie zur Bundespräsidentin zu wählen.
http://bak-shalom.de/index.php/2012/02/28/beate-for-bellevue/
Weiterführende Links:
Beate Klarsfeld for Bellevue | Facebook Fanseite
Beate Klarsfeld kandidiert | Neues Deutschland (28.02.12)
»Meine Kandidatur ist ein Signal« | Jüdische Allgemeine (28.02.12)
Klarsfeld: “Mein Thema ist Antifaschismus” | publikative.org (28.02.12)
Kulturzeit Gespräch: Beate Klarsfeld | Kulturzeit auf 3sat (27.02.12)
Deutsche, Nichtjüdin, Kämpferin | taz (27.02.12)
Gauck und der Holocaust | taz (22.02.12)
Zuroff: Gaucks Kandidatur “extrem beunruhigend” | publikative.org (21.06.10)
Sonntag, 8. Januar 2012
Gegen linke Solidarität mit den Schlächtern von Syrien und Iran!
http://bak-shalom.de/index.php/2012/01/08/gegen-linke-solidaritat-mit-den-schlachtern-von-syrien-und-iran/
Der Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom der Linksjugend Solid kritisiert aufs Schärfste den Appell „Kriegsvorbereitungen stoppen! Embargos beenden! Solidarität mit den Völkern Irans und Syriens!“ und fordert alle Unterzeichner/innen aus der Linkspartei auf, ihre Unterschrift sofort zurück zu ziehen.Die Souveränität Syriens und Irans liegt nicht bei dem Regimen von Assad und den Ayatollahs, sondern bei den Menschen. Sie sind es, die ihre Rechte einfordern.
Entgegen der Einschätzung des Appells sind es nicht die NATO, die USA oder Israel, die einen Bürgerkrieg in Syrien anfachen, sondern das syrische und iranische Regime, die auf diese Weise mit aller Brutalität versuchen, einen Keil zwischen die Aufständischen zu treiben. Beide Regime gehen dabei mit unglaublicher Brutalität gegen die eigene Zivilbevölkerung vor, z.B. mit gezielten Tötungen durch Scharfschützen, die sogenannte „Abschussquoten“ zu erfüllen haben.
Der Appell fordert zudem das Prinzip der Nichteinmischung in syrische sowie iranische Angelegenheiten und richtet diese Forderung an den Westen. Richtig wäre es jedoch, den Westen für die viel zu lange Zusammenarbeit mit Iran und Syrien zu kritisieren! Es ist das iranische Regime und die vom Iran aufgerüstete Terrororganisation Hisbollah, die innerhalb Syriens operieren, um die Aufständischen zu stoppen!
Es ist schlichtweg zynisch, sich über die erfolgreichen Regimewechsel in Tunesien und Ägypten zu freuen, diesen aber den Menschen in Syrien vorzuenthalten – nur weil das Regime gegen die USA ankämpft. Die LINKE muss Schluss machen mit ihrem Antiamerikanismus! Es ist das gleiche Ressentiment, das auch Assad und die Ayatollahs nutzen, um ihre Herrschaft nach innen auf Kosten aller Freiheitsliebenden abzusichern. Mit plumpem Hass auf Amerika und Israel versuchen die Regime vom Terror gegen die eigene Bevölkerung abzulenken.
Wir – die Mitglieder des BAK Shalom – freuen uns über jede schlaflose Nacht Assads sowie Ali Chameneis und seinen Handlangern im Iran und hoffen, dass ihre Regime so schnell wie möglich zusammenfallen werden.
Zum Weiterlesen:
Arabischer Frühling & die Linke. Position des BAK Shalom zur aktuellen Situation in den arabischen Ländern | Grundsatzposition des BAK Shalom zu ‘Arabischen Frühling’ (06.06.2011)
Solidarität mit den Despoten | Kritik am Aufruf vom linken Onlinemagazin Potemkin (05.01.2012)
Mittwoch, 4. Januar 2012
Seminar 2012 "Kritik des Antisemitismus"
Autonomes Seminar an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): "Kritik des Antisemitismus" während des Wintersemesters 2011/12 jeden Dienstag von 17:45 - 19:30 Uhr Raum: 00.4, PSG, Zugang über Hindenburgstraße 91054 Erlangen
Anmeldung erwünscht! Kontakt: autonomesseminar[ät]gmx.de
Dieses Semester (WS 11/12) wollen wir uns im Autonomen Seminar der Thematik „Kritik des Antisemitismus“ widmen.
Dienstags, 18:00 – 19:30 Raum 00.4, PSG, Hindenburgstraße
Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2003 neigen 23 % der Deutschen zu offen antisemitischen Meinungen. 28 % meinen, die Juden hätten zu viel Einfluss in der Welt, 36 % sind der Auffassung, die Juden zögen aus der Massenvernichtung Vorteile und 61 % finden, man solle endlich einen Schlussstrich unter die deutsche „Vergangenheit“ ziehen. Dass die Notwendigkeit radikaler Kritik des Antisemitismus nach wie vor gegeben ist, zeigen jedoch nicht nur die Ergebnisse derartiger empirischer Untersuchungen. Der Antisemitismus, wesentlich ein gesellschaftlich Unbewusstes, scheint hier und da, in dieser oder jener Debatte auf, äußert sich jedoch selten direkt und unmittelbar als der Judenhass, der er ist. Wenn die bundesdeutsche Öffentlichkeit Michel Friedman als „schmierig“, „lüstern“ oder „pervers“ sich imaginiert oder aber der sozialdemokratische Chefgenetiker Thilo Sarrazin bewundernd von der hohen Intelligenz der Juden zu berichten weiß; wenn aber auch der allseits beliebte Kabarettist Georg Schramm vor Stuttgart 21-GegnerInnen von den „Geldverleihern“ erzählt, die einem „dreckigen Handwerk“ nachgingen, welches ein „ehrbarer Christ gar nicht ausüben wollte“ und an deren „Fäden weltweit das marode System zappelt“, dann kommt hier nur die Spitze des Eisbergs antisemitischer Ressentiments und Projektionen zum Vorschein, natürlich selten ohne das obligatorische „Ich bin kein Antisemit, aber…“. Es handelt sich also beim Hass auf die Juden um ein tief in der bürgerlichen Gesellschaft verwurzeltes Syndrom, das sich sowohl als ökonomisch-sexualpathologische Projektion im „klassischen“ Antisemitismus, als auch in staatsfetischistischer Form als „Antizionismus“ darzustellen vermag. Dieses Phänomen entspringt – auf Bildern und Motiven des christlichen Antijudaismus aufbauend – der warenproduzierenden Gesellschaft, stellt jedoch zugleich eines ihrer konstitutiven Momente dar. Somit ist dem antisemitischen Wahn auch nicht beizukommen, indem man ihn als bloßes Vorurteil bekämpft. Und das schon gar nicht nach Auschwitz, welches selbst zum Motiv eines sekundären Antisemitismus geworden ist, den die Band „Bonfire“ auf einem Konzert in ihrer Ansprache zum Song „I want to be proud of my country“ in seltener Offenheit zum Ausdruck bringt: „Vielleicht begebe ich mich jetzt auf ein Glatteis. […] Aber ich glaube trotzdem, dass mit unserer Vergangenheit, der Vergangenheit Deutschlands und Juden, immer noch sehr viel Geld gemacht wird.“ Im autonomen Seminar des Wintersemesters 2011/2012 sollen einige gesellschafts-theoretische Ansätze einer Kritik des Antisemitismus vorgestellt werden. Begonnen wird mit Horkheimers und Adornos Text „Elemente des Antisemitismus“ aus der Dialektik der Aufklärung, der thesenhaft versucht, die Ursprünge des Antisemitismus in ihren einzelnen Facetten herauszuarbeiten. Eine Sitzung wird Detlev Claussens Text „Grenzen der Aufklärung“ in Anspruch nehmen, der sich vornimmt, die Ausführungen Horkheimers und Adornos historisch zu konkretisieren. Im weiteren Verlauf des Seminars wird mit Ernst Simmel und Rolf Pohl gesondert auf psychoanalytische Ansätze der Antisemitismusforschung eingegangen. Mit Moishe Postones Text „Nationalsozialismus und Antisemitismus“ soll zudem ein wichtiger materialistischer Argumentationsstrang der Antisemitismus-Kritik mit Bezug auf Karl Marx vorgestellt werden. Außerdem wird sich eine Sitzung der Frage nach dem Zusammenhang von Antisemitismus und Geschlecht widmen. Zuletzt soll in zwei Sitzungen auf die mit dem Antisemitismus eng verwandten und mit ihm verschränkten Phänomene des Antizionismus und des Antiziganismus hingewiesen werden, denen wir hoffentlich in künftigen Semestern jeweils eigene Seminare widmen können. Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig. Scheine können keine erworben werden. An dem Seminar können alle InteressentInnen teilnehmen.

Samstag, 5. November 2011
Vortrag über Israelfeindlichkeit und Antisemitismus
Am 15.11.2011 um 19.00 Uhr findet in der israelischen Kultusgemeinde ein Vortrag zum Thema „Feindbild Israel: Zum Verhältnis Israelfeindlichkeit und Antisemitismus“ statt. Referentin ist Prof. Susanne Talabardon von der Universität Bamberg. Der AK Shalom wird anwesend sein.
Siehe auch: http://www.ikg-bamberg.de/lehrhaus.html
Samstag, 29. Oktober 2011
Vorträge * 11 / 12
Extreme Rechte und völkischer Mainstream in Ungarn
{Karl Pfeifer }
Antisemitismus und Antizionismus von links: Die KPD der Weimarer Republik und die SED in der frühen DDR
{Olaf Kistenmacher}
Entsorgte Religionskritik, unverstandener Antisemitismus und weitere linke Schwierigkeiten im Umgang mit dem antimuslimischen Ressentiment”
{Markus Mersault und Lothar Galow-Bergemann}
“Deutschlands Stoßtrupp” – Der BdV in der deutschen Nachkriegsgeschichte
{Erich Später}
Im Vortrag soll sowohl die Geschichte als auch die aktuelle Politik des BdV beleuchtet werden.
Vom Rassismus der Machteliten – Der Versuch einer vorläufigen Bilanz der Sarrazin Debatte
{Jörg Kronauer}
Im Vortrag sollen Funktionsweisen der rassistischen Kampagne sowie die Nachwirkungen untersucht werden.
Antiziganismus und Ausnahmezustand – Der „Zigeuner“ in der Arbeitsgesellschaft
{Roswitha Scholz}
Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
{Karl Rössel}
Vortrag: Die emanzipatorische Perspektive von 3D-Druckverfahren und FabLabs
Wo? - Schwanthaler Str. 139
Zugegebenermaßen mag der Titel des Vortrags auf dem ersten Blick vielleicht etwas ungewohnt erscheinen: Was ist eigentlich ein FabLab und wie kann ein 3D-Drucker eine emanzipatorische gesellschaftliche Perspektive eröffnen? Dieser Vortrag will Aufklärung schaffen und reale Perspektiven für neue Produktionsmethoden jenseits von Kapital und Lohnarbeit präsentieren. Die Präsentation wird sich dabei konkret mit unterschiedlichen Anwendungsbereichen des FabLab-Konzeptes, beispielsweise etwa 3D-Druckverfahren befassen und sich mit dem Konzept des FabLabs an sich auseinander setzen. Dabei soll gezeigt werden, was das eigentlich ist, wie es entstand und welche Funktionen es erfüllt. Ziel des Vortrages ist es, eine emanzipatorische Perspektive im marxistischen Sinne einer Befreiung der Arbeit aus den Zwängen der Lohnarbeit zu diskutieren.
Alle Interessen mit offenen Ohren für Neues sind herzlich dazu eingeladen, vorbei zu schauen und frei mit zu diskutieren.
Wir freuen uns auf Dich.
Die BasisGruppe München der Linksjungend Solid
Donnerstag, 15. September 2011
Ist der Begriff "Islamophobie" ein Kampfbegriff gegen Islamkritik?

Blees führte aus, “Islamophobie” bezeichne die Diskriminierung und Verfolgung von Moslems aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Das Wort ist angelehnt an die Begriffsbildungen “Homophobie” für Schwulenfeindlichkeit und “Xenophobie” für Fremdenfeindlichkeit. Als “islamophob” werden jedoch nicht nur gegen Moslems hetzende Rechtsextremisten gebrandmarkt, sondern oft auch säkulare oder linke
Islamkritiker, die aus einer emanzipatorischen, religions- und herrschaftskritischen Perspektive argumentieren. Dabei ist es nicht nur aufschlussreich, zu sehen, gegen wen sich der Vorwurf der “Islamophobie” häufig richtet, sondern auch, wer ihn so alles erhebt. In Großbritannien hat die 1953 in Jordanien im Umfeld der
Moslembruderschaft gegründete Hisb ut-Tahrir eine Kampagne "Stoppt die Islamophobie“ gestartet. Diese Gruppe arbeitete in Deutschland, wo sie mittlerweile verboten, aber nach wie vor aktiv ist, mit Neonazis zusammen, unterstützt Selbstmordanschläge in Israel und möchte weltweit die Scharia einführen.
Das Referat stützte sich auf die vielfältigen bisherigen Veröffentlichungen von Blees (u.a. „Konkret“,der „Jungle World“ und in der Quartalszeitschrift "Materialien und Informationen zur Zeit" (MIZ) ). Dort führt er weiter aus:
Der Sinn derartiger Kampagnen gegen "Islamophobie“ liege damit auf der Hand: Kritikern islamischer Unterdrückungspraktiken die Mäuler zu stopfen und widerwärtige Menschenrechtssimulationen wie die "Kairoer Erklärung" aus der Schusslinie zu halten, auch mit dem Versuch, strafrechtliche Sanktionen der Islamkritik im internationalen Recht zu verankern. Die Relativierung oder Leugnung von Antisemitismus durch
seine Gleichsetzung mit "Antiislamismus" vernebelt darüberhinaus den Blick auf die in großen Teilen des islamischen Einflussbereichs grassierende Judenfeindschaft und den virulenten Wunsch nach Vernichtung Israels, die sich durch diese Täter-Opfer-Umkehr der Benennung und Verurteilung entziehen lassen. Da braucht es nicht zu verwundern, dass Nazis in diesen Chor mit einstimmen, nicht wenige von ihnen sogar zum Islam konvertieren, zumal es auch sonst weitgehende ideologische und politische Übereinstimmungen gibt.
Nun lasse sich einwenden, der Islamophobie-Vorwurf werde zwar häufig instrumentalisiert oder in inflationärer, missbräuchlicher Weise benutzt, doch schaffe diese Feststellung nicht den Tatbestand der Islamophobie selbst und einer massiv zunehmenden Diskriminierung von Moslems aus der Welt. Doch ist es wirklich angebracht, von einem solch spezifischen Tatbestand auszugehen? Der aus Indien stammende britische Publizist Kenan Malik hat dies für Großbritannien untersucht und aufgrund seiner Befunde verneint. Moslems sind von Diskriminierung betroffen, aber in der Regel nicht wegen ihres Glaubens. Hauptbedingungen von Diskriminierungen sind vielmehr Faktoren wie Klassenzugehörigkeit und Hautfarbe, bei Moslems wie Nichtmoslems.
Im Gegensatz zu Islamkritik wendet sich reaktionäre Islamfeindschaft nicht gegen die inhumanen Merkmale des Islam, sondern lehnt ihn ab, weil er als „fremd" wahrgenommen wird, fremd im völkischen und / oder
religiösen - meist christlichen - Sinne. Dies geht einher mit der Abwertung von Moslems als Menschen, einschließlich abwertender Bezeichnungen wie „Musels" oder „Ziegenficker" sowie Forderungen der
Art, alle Moslems auszuweisen. Für diese Szene sind Schlagworte wie „Überfremdung" oder „Türkisierung" charakteristisch.
Häufig wird der Begriff aber auch bei antirassistischen Gruppen und in der Friedensbewegung verwendet. Darin sei hauptsächlich eine kulturrelativistisch begründete falsche Toleranz zu sehen. Oft sind es
Menschen, die sich als links und antirassistisch verstehen oder in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, die es als Ausdruck von „Solidarität“ betrachten, wenn sie die in den Herkunftsländern herrschenden Kollektivzwänge wie etwa Zwangsverheiratung oder Schleierpflicht unkritisiert lassen. „Die haben halt eine andere Kultur...“, heißt es dann.
Diese Toleranz ist falsch und bringt einen Rassismus mit antirassistischem Anstrich hervor. Migranten werden von Teilen des friedensbewegten und antirassistischen Spektrums als einer anderen,
beispielsweise moslemischen Kultur zugehörig wahrgenommen, in der andere als die „westlichen" Werte gelten und zu gelten haben. Das Anlegen der ethischen Maßstäbe der Aufklärung, der Moderne, gilt dann als paternalistisch und eurozentristisch und im Fall moslemischer Communities als „islamophob". Doch was ist es anders als reaktionär, kollektive Zwangsidentitäten, die für die Individuen oft die Hölle
bedeuten, unter Bestandsschutz zu stellen, Gruppenrechten den Vorrang vor individuellen Freiheitsrechten zu geben?
Unterdrückungsverhältnisse sind zu kritisieren und zu bekämpfen, gleich, wie sie ideologisch legitimiert werden, ob religiös oder areligiös. Während allerdings das Christentum, wenn auch nicht
überall, durch Aufklärung und Säkularisierung geschwächt, gezähmt, zu einem gewissen Grad auch »verweltlicht« ist, gilt dies für große Teile islamischer oder islamisch dominierter Länder einschließlich der
Diaspora nicht. Der Entrechtung, Demütigung und gewaltsamen Verfolgung von Menschen durch orthodoxen Alltagsislam in Form von beispielsweise Kopftuchzwang, Zwangsverheiratungen, Ehrenmorden oder Homophobie ist kompromisslos entgegenzutreten. Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung. Den grassierenden Antisemitismus und Antiamerikanismus hinzunehmen oder herunterzuspielen, der im politischen Islam im Extremfall die Form des Jihadismus und des eliminatorischen Judenhasses annimmt, verbietet das von Adorno formulierte Diktum.
Dieser kategorische Imperativ schließe die Solidarität mit Israel und seiner Selbstverteidigung ebenso ein wie die Bekämpfung der Taliban in Afghanistan und die Notwendigkeit, das Ende des iranischen Mullahregimes herbeizuführen.
Zum Abschluss und als Resumee wurde von der Moderation der Nürnberger Publizist Robert Kurz zitiert:
"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse." Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009
Samstag, 4. Juni 2011
Veranstaltungsbericht aus Erlangen
Hier gehts zum Veranstaltungsmitschnitt, die ersten Minuten mit der Einführung sind etwas leise, der Vortrag ist deutlich hörbar: ->>>
Sonntag, 15. Mai 2011
Gastbeitrag für das Blog "Ruhrbarone"
Der Arbeitskreis Shalom wurde gegründet, um die blinden Flecken linker Gesellschaftskritik – Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus – zu beleuchten und endlich der Kritik auszusetzen, der sie sich viel zu lange entzogen haben. Er wendet sich mit seiner Kritik an die gesamte Gesellschaft, also ausdrücklich auch an das eigene Lager. Ehrlichkeit und deutliche Worte, so wenig gelitten sie in Wirklichkeit sind, wenn sie nicht den Gegner, sondern den Mitstreiter betreffen, sind obligatorische Bestandteile jeder gesunden Beziehung. Jeder Mensch, der den Verstand höher schätzt als die Emotion, kurz: jeder zurechnungsfähige Zeitgenosse dürfte daran nichts auszusetzen haben, und die unzurechnungsfähigen sind sowieso nicht zufrieden zu stellen. So wollen wir die Diplomatie beiseite lassen und Klartext reden.
Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiver Antikapitalismus sind keine Alleinstellungsmerkmale einer bestimmten politischen Richtung, sondern in der gesamten Gesellschaft verbreitete Geisteskrankheiten, deren Symptome zwar vielfältig sind und sich immer auch, man verzeihe uns die blöde Phrase, “ein Stück weit” nach dem Weltbild der befallenen Person richten, jedoch immer die gleiche Wahnvorstellung vermitteln: ein Unvolk parasitärer, global agierender Wesenheiten, das für sich die Weltherrschaft beanspruche und unschuldige Völker ihres Blutes, ihres Bodens und ihrer Reichtümer beraube. Der Antisemitismus ist dabei auf Juden fixiert, der Antizionismus auf den Judenstaat und dessen Unterstützer, der Antiamerikanismus auf die USA und deren Unterstützer und der regressive Antikapitalismus auf “raffende Kapitalisten”, neudeutsch: Heuschrecken, also wandernde Schädlinge. Genaue Definitionen dieser vier Geisteskrankheiten müssen hier aus Platzgründen ausbleiben, sind dem interessierten Leser jedoch unter folgenden Adressen jederzeit zugänglich: http://shalom-bayern.blogspot.com/2011/04/uber-antisemitismus-antizionismus-und.html (für Antisemitismus, Antizionismus und Antiamerikanismus) und http://bak-shalom.de/index.php/materialien-des-bak-shalom/wir/begriffserklarung-regressiver-antikapitalismus/(für regressiven Antikapitalismus).
Die vier genannten Geisteskrankheiten sind nicht spezifisch deutsch – es gibt sie fast überall auf der Welt –, wurden aber in Deutschland sehr lange für gesunden Menschenverstand gehalten und waren von 1933 bis 1945 Staatsdoktrin. Die Folgen sind bekannt, die Ursachen wurden ausgeblendet und durch die Wahrnehmung ersetzt, da hätten ein paar Unmenschen die Macht an sich gerissen und das brave deutsche Volk zu furchtbaren Taten gezwungen, weshalb dieses brave deutsche Volk nun auf nicht absehbare Zeit dazu verdammt sei, nichts mehr gegen die arroganten Juden zu unternehmen, den blutrünstigen Judenstaat zu unterstützen, die eigene Kultur der Unkultur der Amis zu opfern und das Volksvermögen heimatlosen Raffzähnen zum Fraße vorzuwerfen.
Der Nationalsozialismus ist tot und der Ungeist, der ihn schuf, stark machte und in Amt und Würden erhob, beklagt sich selbst als Opfer seiner Schöpfung. So sieht sie aus, die deutsche Erblast. Vermischt sich diese Erblast mit einer nicht zwangsläufig linken, aber in der politischen Linken weit verbreiteten Ideologie namens “Antiimperialismus”, die im wesentlichen aus der Überzeugung besteht, alle nicht kommunistischen Staaten, besonders die USA und Israel, seien Räuber und Mörder (intelligente Antiimperialisten würden hier widersprechen, müssen sich aber damit abfinden, dass sie die einzigen sind, die Widerspruch für nötig halten), entsteht ein brüllend selbstgerechter linksvölkischer Wahn, angetrieben vom typisch linken und für sich genommen durchaus hehren Wunsch nach dem Ende der Unterdrückung der Schwachen durch die Starken, aber durchsetzt, vergiftet und pervertiert von nationalsozialistischen Hirngespinsten.
Es gibt also eine Doppelbelastung der deutschen Linken. Jede linke Gruppierung, die sich selbst ernst nimmt, sollte sich dieser Doppelbelastung bewusst sein und alles unternehmen, um die eigene Weltanschauung von solchen Einflüssen zu befreien und frei zu halten – ein frommer Wunsch freilich, der sich noch niemals erfüllte. Von Realsozialismus zu Realsozialismus regierte noch immer zuvörderst der Wahn. Doch nicht nur an der Regierung, auch in der Opposition, vor allem der außerparlamentarischen, neigt die Linke dazu, ihrer Doppelbelastung nachzugeben. Noch allzu frisch ist die Erinnerung an RAF-Angehörige, die sich in Lagern der damals noch eindeutig terroristischen PLO für den bewaffneten Kampf ausbilden ließen, noch allzu frisch die Erinnerung daran, dass es linke Terroristen – die “Revolutionären Zellen” in Entebbe – waren, die erstmals nach 1945 wieder Juden von Nichtjuden selektierten, und allzu selten fand sich eine linke Stimme, die in diesen Verschwisterungen Linker mit völkischen und antisemitischen Bewegungen mehr sah als nur unschöne Auswüchse einer an sich gerechten Sache. Wenn das Schaf auch gerne mal den Mond anheult, muss es sich nicht wundern, wenn es für einen Wolf gehalten wird. Einen Werwolf, besser: Schafwolf. Oviswolf. Schafe sollten nicht heulen. Heult ein Mitglied ihrer Herde, sollten sie sich weder einstimmen noch sich wegdrehen, sondern prüfen, was da los ist. Und genau das tun sie viel zu selten, die roten Schafe.
An dieser Stelle werden viele Linke empört aufschreien, was uns einfalle, sie dermaßen zu diffamieren. Wir müssten doch wissen, dass die Linke ohne Makel sei, und dass jeder Makel, der sich dennoch zeige, entweder auf einer Lügenkampagne der kapitalistischen Medien basiere oder auf die Umtriebe eingeschleuster Agenten zurückzuführen sei. Wir, die “nützlichen Idioten einer kolonialen Staatsmacht” (Hermann Dierkes), arbeiteten doch nur dem politischen Gegner zu und verhielten uns grob unsolidarisch unseren lieben Genoss(inn)en gegenüber. Und genau hierin zeigt sich die Notwendigkeit unserer Existenz: So lange die deutsche Linke hysterisch auf linke Gruppen reagiert, die sich klar gegen nationalsozialistische Inhalte aussprechen, muss sie mit der Kritik leben.
Das größte Problem der Linken also, wie schon angedeutet, ist ihr manichäisches Weltbild. Gut und Böse sind klar definiert, und da alles, was das Gute tut, gut sein muss und alles, was das Böse tut, böse, kann vom Guten nichts Böses und vom Bösen nichts Gutes ausgehen. Das Muster ist aus der Geschichte bekannt: Da glaubt eine manichäische Partei an den Himmel auf Erden, kommt an die Macht und stellt fest, dass das Himmelreich ihr nicht gefolgt ist. Woran das liegt? An mir bestimmt nicht, denkt sich die manichäische Partei, denn ich bin perfekt. Da muss sich ein Bösewicht eingeschlichen haben. Und wo finde ich Bösewichte? Unter meinen Kritikern. Dieses Muster zeigt sich nicht nur in der historischen, sondern leider auch in der heutigen Linken. Es erklärt, warum etwa linker Antisemitismus ein Tabu ist. Antisemitismus ist ein Makel, also kann es ihn in der Linken nicht geben. Wer das Gegenteil behauptet, will ihr schaden. So einfach ist das.
Da der Arbeitskreis Shalom das durchweg positive Selbstbild der Linken nicht bestätigt, wird er als Störer wahrgenommen, als Nestbeschmutzer, und da er der Meinung ist, Israel habe das Recht dazu, mit militärischen Mitteln auf kriegerische Akte seiner Gegner zu reagieren, außerdem als Verein von Kriegstreibern. Kriegstreiber und Nestbeschmutzer zugleich – da muss sie sich wehren, die deutsche Linke, die doch fehlerfrei ist und Angriffskriege gegen Imperialisten für gelebten Pazifismus hält. So ist der Arbeitskreis Shalom (der übrigens der “linksjugend ['solid]” angehört und nicht der Partei “Die Linke”) der einzige linke Arbeitskreis, dessen bloße Existenz zum Start einer gegen ihn gerichteten linken Initiative geführt hat, einer Initiative, der sich neben sehr fragwürdigen Leuten, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen in der Partei “Die Linke” erwünscht sind, obwohl sie es in der PDS nicht waren, auch ein paar ansonsten vernunftbegabte Genoss(inn)en angeschlossen haben, einer Initiative allerdings, die nichts weiter tut, als vorhanden zu sein und durch ihre Präsenz die Gelüste Unverbesserlicher zu befriedigen.
Ist die deutsche Linke auf Israel fixiert? Wer schon einmal ein Statement der deutschen Linken zum Nahostkonflikt gehört oder gelesen hat, wird diese Frage bejahen. Wer indes viele deutsche Linke kennt, wird die Frage verneinen. Die deutsche Linke ist nicht auf Israel fixiert, aber wann immer es um Israel geht, ist sie sich auf sehr hässliche Weise einig. Würde sie sich ernsthaft und sachlich mit Israel befassen, käme sie zu gänzlich anderen Ergebnissen und käute nicht nationalsozialistische Hirngespinste wieder.
Der Arbeitskreis Shalom hat sich der Aufdeckung und Bekämpfung dieser Hirngespinste verschrieben. Wir glauben noch an die Linke, sonst hätten wir sie längst verlassen. Und ehe dieser Beitrag an seinem Pathos erstickt: Der Arbeitskreis Shalom erhebt keinerlei Anspruch auf Unfehlbarkeit, ist sich aber sicher, reale und wenig beachtete Missstände anzusprechen. Es gilt, an die Linke besondere Ansprüche zu stellen, um zu gewährleisten, dass die Linke tatsächlich besser arbeitet als ihre Vorgänger und Konkurrenten und, sofern sie dennoch dieselben Fehler macht, dies wenigstens nicht ungehindert tut.
Quelle: http://www.ruhrbarone.de/lak-shalom-antisemitismus-antiamerikanismus-und-die-linke/
Donnerstag, 5. Mai 2011
Hermann Dierkes und das antisemitische Flugblatt
Hermann Dierkes ist nicht der größte Lump im ganzen Land. Dafür ist er viel zu unwichtig. Ihn für einen großen Lumpen zu halten, ist allerdings nicht gerade schwierig, und gleichwohl er permanent zu Unrecht behauptet, man wolle ihn mundtot machen, zöge manch ein vernunftbegabter Linker es gelegentlich vor, der Hermann hielte einfach mal den Rand oder dächte wenigstens vorher nach. Sogar wenn er hinterher nachdächte, könnte man von einem Fortschritt sprechen, aber das tut er nicht, nein, das muss er auch nicht, der Hermann, denn der Hermann weiß, was gut und was böse ist: Gut ist der Hermann, böse ist der Judenstaat.
Nun wurde vor einigen Tagen ein antisemitisches Flugblatt auf der Seite der Duisburger LINKEN entdeckt, das für einigen Wirbel gesorgt hat, nachdem der Blog "Ruhrbarone" darüber berichtet hatte. Der Duisburger LINKEN war sofort klar, dass sie keine Schuld treffe, und sie hatte auch schon eine Erklärung parat: "Sprecher Hans-Werner Rook (...) hielt es für möglich, dass sich ein Rechter in die Partei eingeschmuggelt und das Flugblatt eingestellt hat." Trotz dieser Klarstellung und obwohl sie umgehend Anzeige gegen Unbekannt erhoben hatte, sah sich die Duisburger LINKE weiterhin Kritik ausgesetzt – offenbar waren einige Zionistenfreunde dreist genug, von der Partei zu fordern, sie solle die Vorwürfe wenigstens prüfen, anstatt sofort von Umtrieben feindlicher Agenten zu fantasieren.
So geschah es, dass der gute Hermann höchstselbst sich genötigt sah, Stellung zu beziehen und den zionistischen Kriegshetzern dieser Welt, die das Recht der Araber auf bewaffneten Widerstand und die Pflicht Israels, diesem Widerstand mit umfassenden Zugeständnissen zu begegnen, abstreiten und stattdessen darauf bestehen, dass die Anerkennung des Existenzrechts Israels nicht läppisch, sondern Voraussetzung jeder Friedenslösung sei, mal ordentlich die Meinung zu geigen, zumal diese zionistischen Kriegshetzer auch noch dreist genug sind, zu behaupten, wer als Deutscher auf vernichtende Kritik an Israel fixiert sei und die Gegner Israels für verzweifelte Friedensengelchen halte, sei möglicherweise Antisemit.
Die Plattform für die Standpauke? www.scharf-links.de, das Zentralorgan der intellektuellen Linken. Die Überschrift? "Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant:" Ein böser Schelm, wer da jetzt meint, es sei auffällig, dass der Hermann keinen größeren Lumpen kenne als denjenigen, der auf der Seite Israels stehe, oder – wie es der Hermann wahrscheinlich sieht – auf Israelkritik allergisch reagiere. Diebe? Räuber? Massenmörder? Alles kleinere Lumpen als der Verteidiger Israels. Lassen wir uns von diesem lumpigen Gedankengang nicht beeinflussen, sonst schreibt der Hermann noch einen Artikel. Sehen wir uns lieber an, was er geschrieben hat.
Zuerst teilt er seinen Lesern mit, was für grässliche Lumpen diejenigen seien, die das Flugblatt entdeckt haben. Damit will er bestimmt nicht den Eindruck erwecken, die Suche nach antisemitischen Inhalten sei an sich verachtenswert, sondern nur darauf hinweisen, dass selbst so verachtenswerte Zeitgenossen wie die "Ruhrbarone" oder die Leute von "Honestly Concerned" sich gelegentlich auf der Seite der Duisburger LINKEN tummelten. Rechte Agenten, deren Auftrag es ist, auf dieser Seite heimlich antisemitische Propaganda zu verbreiten, lernen daraus, dass sie ihre Propaganda künftig noch besser verstecken müssen.
Dann betont der Hermann, dass das Flugblatt "so versteckt unter 'Materialien' [lag], dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit seit Januar keine öffentliche Wirkung entfaltet hat." Von einer "bewusst platzierten Veröffentlichung" könne keine Rede sein. War vielleicht nur für interne Debatten bestimmt, das Machwerk, und wurde irrtümlich eingestellt. Aber dann kann es nicht der eingeschmuggelte Rechte gewesen sein. Wurscht jetzt, denn wir haben nicht ewig Zeit. Bleiben wir beim Hermann:
"Wer Kritik an den permanenten schweren Menschen- und Völkerrechtsverletzungen durch Israel mit Antisemitismus gleichsetzt, will Kritiker mundtot machen." Wie kommt er jetzt darauf, was meint er damit? Das Flugblatt? Die Löschung des Flugblatts? Oder fällt ihm einfach nur immer, wenn antisemitische Inhalte als antisemitisch bezeichnet werden, ein, was für ein furchtbar bösartiger Staat der Judenstaat doch sei? Und, vor allem, was sind das für Finsterlinge, die "durch Israel" handeln? Diese Fragen bleiben unbeantwortet. Stattdessen verteidigt der Hermann seine "Kauft nicht bei Juden"-Aktionen, benennt allerlei Alibijuden (als ob Juden keine Antisemiten sein könnten) und missbraucht die Shoah zur Scheinlegitimierung seiner schon pathologisch anmutenden Fixierung auf angebliche israelische Gräueltaten.
Anschließend zischt den Lesern eine Schlange entgegen, die der Hermann wahrscheinlich ausgewählt hat, weil ihm das Bild gefiel, und nicht, weil die Darstellung von Juden als Schlangen ein antisemitischer Gemeinplatz ist (dafür weiß der Hermann wohl nicht genug über Antisemitismus). An der Seite der Schlange steht ein weinerliches Appell an die deutsche Journaille, dem Hermann künftig weniger kritisch zu begegnen, gefolgt von der bahnbrechenden Feststellung: "Antisemitismus ist eine Form des Rassismus. Damit hat die LINKE nichts am Hut." Weil also die LINKE als Partei sich klar gegen Rassismus ausspricht, kann es in ihr keinen Antisemitismus geben, und wenn doch, dann stammt er von eingeschmuggelten Rechten. SED, ick hör dir trapsen.
Dann: noch mehr Geheule über die bösen, bösen Entdecker des Flugblatts und keine Träne, kein Wutseufzer über das Flugblatt. Wäre ja auch versteckt gewesen, für den internen Gebrauch, wenn die zionistischen Hunde nicht geschnüffelt hätten. Armer Hermann. Und schlimme Hunde, zionistische: "diese Kreuzritter – denen Migrantenfeindlichkeit, Antiarabismus und –Antiislamismus, antiökologische und neoliberale Positionen ebenso nicht fremd sind – [agieren] wie eine außenpolitische Propagandaabteilung der rechtsradikalen israelischen Regierung. " Migrantenfeindlich, antiarabisch, antiislamisch, antiökologisch und neoliberal – fehlen nur noch homophob und frauenfeindlich. Wenig überraschend, dass der Hermann für keines der von ihm genannten Attribute auch nur den Hauch eines Nachweises liefert. Er muss es nicht, denn wer für den Judenstaat ist, ist zu allen Schandtaten bereit. Sagt der Hermann, ob er will oder nicht.
Und sagt nicht nur, sondern fragt auch. Nämlich sich: "Ich frage mich, ob es purer Zufall war, dass die Attacke der Ruhrbarone ausgerechnet am Tag nach der Rückkehr einer 30köpfigen Reisegruppe aus Israel und den besetzten Gebieten (...) stattfand. In Israel und Palästina hatte die Gruppe zahlreiche Begegnungen mit Persönlichkeiten und Aktivisten des anderen Israel und des anderen Palästina (...) Alle diese Kräfte treten nachdrücklich für einen gerechten Frieden in Nahost ein, der Israelis wie Palästinensern Sicherheit und menschenwürdige Verhältnisse bringt. Sie wollen, dass Israel endlich seine territorialen Grenzen im Rahmen der Grünen Linie von vor 1967 definiert, die illegale Besiedlung stoppt, die Besatzung beendet und mit der Apartheid Schluss macht." Na also. Der Hermann ist definitiv kein Antisemit. Er spricht ja mit anderen Israelis. Und wie danken es ihm die Zionisten? Indem sie sich gegen ihn verschwören und die "Ruhrbarone" damit beauftragen, nach schmutziger Wäsche zu suchen. Eine Schande, das! Und wir wohlwollenden Leser lernen: Wenn Israel sich zurückzieht, sich zurückzieht, sich zurückzieht und eine gesetzlich festgeschriebene Diskriminierung beendet, die es gar nicht gibt, dann haben sich alle Menschen im Nahen Osten lieb und der Hermann kann sich zur Ruhe setzen und ein Buch darüber schreiben, wie er einmal den Weltfrieden einführte.
Mittwoch, 27. April 2011
Über Antisemitismus, Antizionismus und Antiamerikanismus
Antisemitismus
Grundlage des Antisemitismus ist die Überzeugung, Juden seien keine normalen Menschen. Demzufolge ist jede wertende Aussage, die einen Unterschied zwischen Juden und dem Rest der Menschheit behauptet, als potenziell antisemitisch zu bewerten, wobei es keine Rolle spielt, wie die Bewertung ausfällt. "Philosemitismus" gibt es nicht. Wer Juden als Übermenschen darstellt, sieht sie als Untermenschen, gegen die sich momentan nichts ausrichten lässt. Jeder Antisemitismus ist in letzter Konsequenz eliminatorisch, also auf Vernichtung bedacht. Zwar behaupten einige Antisemiten, sich mit einer räumlichen Trennung zufriedenzugeben, jedoch braucht kein Antisemit auch nur einen Juden in seiner Nähe, um überall "jüdische Einflüsse" zu vermuten, die man bekämpfen müsse. Hier einige der derzeit häufigsten Symptome:
- die Überzeugung, Juden seien nicht in der Lage, Juden zu hassen. Wie hirnrissig diese Überzeugung ist, erschließt sich sofort, wenn man "Juden" durch einen beliebigen anderen personenbezogenen Sammelbegriff ersetzt.
- die Überzeugung, die Juden verfügten über einen außergewöhnlich schlechten Charakter, verbunden etwa mit Gier, Heimtücke und dem Drang, Nichtjuden für ihre Zwecke zu manipulieren.
- die Überzeugung, die Juden planten, seien dabei oder hätten es bis auf wenige Ausnahmen bereits geschafft, die "freien Völker" der Welt zu unterjochen.
- die Überzeugung, die Juden hätten "überall ihre Finger im Spiel", kontrollierten etwa Regierungen und Medien und zwängen sie dazu, gegen Juden gerichtete Kritik zu unterdrücken und für "jüdische Interessen" einzutreten. Stichsatz: "Gegen die Juden darf man nichts sagen:"
- die Überzeugung, die Juden hätten den Holocaust erfunden und/oder nutzten ihn nachträglich für ihre Zwecke aus, bisweilen (vor allem in verschwörungsspekulativem Kontext) gar die Ansicht, Hitler sei eine Marionette wohlhabender jüdischer Zionisten gewesen.
- die Überzeugung (aktuell vor allem in der arabischen Welt und im Iran verbreitet), die Juden seien monströse Bestien und ermordeten Nichtjuden, vor allem nichtjüdische Kinder, um sie auszuweiden und ihr Blut zu konsumieren.
Ein heutzutage besonders beliebtes Argument, wie man meinen möchte geschaffen von einem wahllos tippenden Affen, aber dann auch wieder zu absurd, um durch Zufall entstanden zu sein, ist die Aussage: "Araber können keine Antisemiten sein, weil Araber Semiten sind." Das einzige, was daran stimmt, ist die Grammatik. Wir gehen jetzt weder auf Rassismus noch auf überholte Rassentheorien ein und halten auch keinen Vortrag über Semantik, sondern stellen fest: Seit seiner Erschaffung nahm der Begriff "Antisemitismus" nie irgendeinen Bezug auf "Semiten".
Er bezog sich immer und ausschließlich auf Juden und daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert.
Antizionismus
Zionismus ist die Überzeugung, es müsse einen jüdischen Nationalstaat geben. Folglich ist Antizionismus die Überzeugung, es dürfe keinen jüdischen Nationalstaat geben. Seit es einen jüdischen Nationalstaat gibt, ist Antizionismus die Überzeugung, dieser Staat müsse ausgelöscht werden. Jede Äußerung, die die Delegitimierung Israels zum Ziel hat, ist demzufolge als antizionistisch zu bewerten. Bereits darin, dass der jüdische Nationalstaat der einzige Staat auf Erden ist, dessen Existenzrecht von seinen Kritikern ständig mindestens in Zweifel gezogen wird, offenbart sich die antisemitische Natur des Antizionismus. Der einzige relevante Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus besteht darin, dass letzterer auf den jüdischen Staat und dessen Unterstützer zielt und ersterer auf Juden in aller Welt. Ansonsten sind die Inhalte deckungsgleich. Indem der Antizionismus bevorzugt antizionistische Juden als Kronzeugen hofiert, teilt er nicht nur die antisemitische Gewohnheit, sich antisemitischer Juden als Alibi bedienen, sondern auch die zutiefst rassistische Behauptung, wer Jude sei, könne keine Juden hassen.
Antiamerikanismus
Auch die USA sind kein idealer Staat, jedoch sind sie den europäischen Staaten und vor allem Deutschland insofern überlegen, als ihnen die Staatsbürgerschaft eines Menschen mehr bedeutet als die Herkunft. Während in Deutschland noch die Enkel zugewanderter Großeltern als ausländisch wahrgenommen werden, wenn es ihnen nicht gelingt, ihren Migrationshintergrund zu verbergen, ist jede/r US-amerikanische Staatsangehörige unabhängig von Aussehen und Zungenschlag zuerst US-Amerikaner/in. Darin wurzelt auch der Antiamerikanismus der deutschen Nationalisten, die die USA als kolossales Projekt gesteuerter "Rassenschande" wahrnehmen, dessen Ziel darin bestehe, die Völker und Kulturen der Welt zu einem Einheitsvolk und einer Einheitskultur zu verschmelzen. Anhänger/innen des Gleichheitsprinzips können darin nur insofern etwas Schlechtes sehen, als vor allem das Sozialsystem der USA sich nicht mit linken Idealen deckt. Dies jedoch kann keine Rechtfertigung dafür sein, in die rassistischen antiamerikanischen Tiraden der Nationalisten einzustimmen. Eine Parteinahme in den Konflikten, an denen die USA beteiligt sind, sollte, wenn sie denn sein muss, nach rationalen Maßstäben erfolgen. Wer als Linker etwa klerikalfaschistische Staaten, die Frauen unterdrücken, Homosexuelle hinrichten und massive Repressionsapparate unterhalten, wie sie die westliche Welt seit Jahrzehnten nicht mehr kennt, gegen die USA unterstützen zu müssen glaubt, beweist damit nicht nur ein erstaunliches Maß an Betriebsblindheit, sondern wirft damit den letzten Rest fortschrittlichen Denkens zugunsten zutiefst reaktionärer Ideologien auf den Müll.



